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Digitale Barriere­freiheit noch viel zu selten

Berlin, 10. Oktober 2019. Digitalisierung ist ein weltweiter Megatrend, der massive Umwälzungen mit sich bringt. Unter­schied­lichste Bereiche – vom Arbeitsleben über die Medien und die Gesund­heits­ver­sor­gung bis zum privaten Haushalt – wurden und werden immer weiter digitalisiert. Für blinde und sehbehinderte Menschen sind damit große Chancen, aber auch viele Her­aus­for­de­run­gen und Risiken verbunden.

Im März 2009 hat Deutschland die UN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­tion ratifiziert und sich damit verpflichtet, allen Menschen mit Behinderungen eine gleich­be­rech­tigte und selbstbestimmte Teilhabe an allen modernen Informations- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gien zu ermöglichen. Zehn Jahre später stoßen blinde und sehbehinderte Menschen immer wieder an Grenzen – egal ob sie online etwas bestellen oder ein Gerät mit Touchscreen-Display bedienen möchten. Dies sind Beispiele aus einem Film und einem Radio-Interview, die von der Auf­klä­rungs­kam­pa­gne „Woche des Sehens“ produziert wurden.

„Es geht nicht an, dass es Glückssache ist, ob ich beispielsweise auf einer Internetseite zurechtkomme oder nicht“, sagt Klaus Hahn, der Präsident des Deutschen Blinden- und Seh­behinderten­verbandes. „Barriere­freiheit muss all­ge­mein­gül­ti­ger Standard werden und dafür brauchen wir gesetzliche Regeln, die endlich auch die Pri­vat­wirt­schaft in die Pflicht nehmen!“

Für Ursula Weber, Vorsitzende des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf, ist unverständlich, warum digitale Anbieter Barriere­freiheit nicht schon längst konsequent umsetzen: „Ich bin doch eine potenzielle Kundin! Durch die demografische Entwicklung wird es immer mehr Menschen mit besonderen Anforderungen geben. Wenn man die von vornherein konzeptionell mitdenkt, ist Barriere­freiheit weder aufwändig noch teuer.“

Franz Badura, Vorsitzender der PRO RETINA Deutschland, legt Wert auf die Barriere­freiheit von Apps: „Apps haben das Potenzial, für sehbehinderte und blinde Menschen erheblich mehr Unabhängigkeit und mobile Flexibilität im Alltag, im Beruf und in der Freizeit zu schaffen. Dafür müssen jedoch Unternehmen, die Software zum Beispiel zur Fuß­gän­ger­na­vi­ga­tion oder Kommunikation entwickeln, konsequent für Barriere­freiheit ihrer neuen Angebote sorgen.“

Der Film „Blinde und sehbehinderte Menschen in einer digitalisierten Welt“ (auch als Hörfilm), ein Radio-Interview zum Thema sowie die Forderungen der Selbst­hil­fe­or­ga­ni­sa­ti­o­nen blinder und sehbehinderter Menschen zur Digitalisierung sind online zu finden unter www.dbsv.org/digitalisierung

15. Oktober: Internationaler Tag des weißen Stockes

Im Jahr 1964 wurde vom US-Kongress eine Resolution in Kraft gesetzt, die den 15. Oktober zum White Cane Safety Day (übersetzt ungefähr: „Ver­kehrs­si­cher­heits­tag des weißen Stockes“) erklärte. Mit seiner umgehenden Proklamation unterstützte der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Lyndon B. Johnson, das Streben blinder Menschen nach mehr Selbst­ständig­keit.

Der Tag des weißen Stockes entwickelte sich schnell zum weltweiten Aktionstag der blinden Menschen. Seit dem Jahr 2002 ist der 15. Oktober in Deutschland zugleich der Abschlusstag der Woche des Sehens.

Nach deutschem Recht ist ein Mensch blind, wenn er auf dem besser sehenden Auge selbst mit Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr als 2 Prozent von dem sieht, was ein Mensch mit normaler Sehkraft erkennt. Wenn man weniger als 5 Prozent sieht, gilt man als hochgradig sehbehindert. Auch viele hochgradig sehbehinderte Menschen sind auf den weißen Stock angewiesen.

Die Woche des Sehens

„Nach vorne schauen“ ist das Thema der 18. Woche des Sehens, die vom 8. bis 15. Oktober stattfindet. Schirmherrin ist die Fern­sehjour­na­lis­tin Gundula Gause. Die Partner und Veranstalter der Auf­klä­rungs­kam­pa­gne machen bundesweit mit vielfältigen Aktionen auf die Bedeutung guten Sehvermögens, die Ursachen vermeidbarer Blindheit sowie die Situation blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland und in den Ent­wick­lungs­län­dern aufmerksam.

Getragen wird die Aktionswoche von der Christoffel-Blindenmission, dem Deutschen Blinden- und Seh­behinderten­verband, dem Berufsverband der Augenärzte, dem Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit, der Deutschen Ophthal­molo­gischen Gesellschaft, dem Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf sowie der PRO RETINA Deutschland. Unterstützt wird die Woche des Sehens von der Aktion Mensch und von ZEISS.

Weitere Informationen unter https://www.woche-des-sehens.de

Quelle: Deutscher Blinden- und Seh­be­hinm­der­ten­ver­band e. V., Pressesprechen Volker Lenk

Datum: 
Freitag 11. Oktober 2019, 14:10
Kategorien: 
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