Online-Gespräch für AMD-Patienten und Angehörige: "Hörbücher - Lesen mit den Ohren" am 21. Juli 2022 um 17 Uhr

Melden Sie sich gerne an.

weiterlesen

Die Vorlese-Funktion ist auf Grund Ihrer Datenschutz-Einstellungen deaktiviert.

Luftschadstoffe schädigen Netzhaut und erhöhen Risiko auf altersbedingte Makula­degeneration (AMD)

Die Luft­ver­schmut­zung der Lebens-Umgebung ist assoziiert mit einem erhöhten Risiko für Herz- und Atem­wegs­er­kran­kun­gen. Britische Forscher wollten nun untersuchen, ob dies auch mit einem höheren AMD-Risiko verbunden ist. Dies berichtet das Fachblatt "British Journal of Ophthalmology".

Netz­haut­ver­än­de­run­gen im OCT

Ältere Erwachsene, die an ihrem Wohnort erhöhten Fein­sta­ub­kon­zen­tra­ti­o­nen ausgesetzt waren, gaben in einer Quer­schnitt­s­tu­die häufiger an, an einer altersbedingten Makula­degeneration (AMD) zu leiden. In einer optischen Kohärenz­tomografie (OCT) wurden bei diesen Stu­dien­teil­neh­mern laut der Publikation im British Journal of Ophthalmology vermehrt Veränderungen der Netzhaut gefunden.

Die optische Kohärenz­tomographie (OCT) ist ein bildgebendes Verfahren zur Diagnose von Augen­erkrankungen und – vereinfacht gesagt – mit einer Ultra­schal­l­auf­nahme vergleichbar. Die OCT ermöglicht eine für den Patienten absolut schmerzfreie grafische Darstellung der Netzhaut und liefert hochaufgelöste Schichtbilder in einem Querschnitt. Anhand des OCT-Befunds kann der Mediziner die Netz­haut­schich­ten, zum Beispiel deren Dicke oder Feinstruktur, beurteilen. Eine optische Kohärenz­tomographie kommt vor allem bei der Erstdiagnostik verschiedener Netz­haut­erkrankungen wie der AMD zum Einsatz.

Die AMD ist in Indus­trie­na­ti­o­nen die häufigste Ursache von Seh­ein­schränkungen im Alter von über 50 Jahren. Weltweit sollen 200 Millionen Menschen betroffen sein. Bis zum Jahr 2040 wird mit einem Anstieg auf rund 300 Millionen gerechnet. Zu den Risikofaktoren gehört neben dem Alter und einer genetischen Veranlagung auch das Tabakrauchen. Es ist deshalb plausibel, auch nach einem Zusammenhang mit anderen Luft­schad­s­tof­fen zu suchen. Schon in einer früheren Langzeitstudie aus Taiwan war festgestellt worden, dass eine erhöhte Belastung mit Stick­stoff­di­oxid und Kohlenmonoxid in einem Zeitraum von nur 11 Jahren das Erkran­kungs­ri­siko nahezu verdoppeln könnte. Die Studie hatte damals den Einfluss von Feinstaub nicht untersucht, der in westlichen Ländern zu einem Problem geworden ist.

Auswertung der Daten von 500.000 Briten

Ein Team um Paul Foster vom Institute of Ophthalmology am University College London hat zu dieser Frage jetzt die Daten der UK Biobank ausgewertet. An der Studie hatten zwischen 2006 und 2010 eine halbe Million Briten im Alter von 40 bis 69 Jahren teilgenommen. Sie wurden nach Krankheiten befragt und medizinisch untersucht. Zuletzt wurde auch eine OCT durchgeführt.

Die Forscher haben die Ergebnisse von über 52000 OCTs mit der Luft­ver­schmut­zung am Wohnort der Teilnehmer in Beziehung gesetzt. Ergebnis:
Eine höhere Exposition gegenüber Feinstaub sowie Stickoxiden ging mit einem dünneren retinalen Pigmentepithel (RPE-Schicht) einher. Die Schicht mit den Außensegmenten der Pho­to­re­zep­tor­zel­len, die das Licht auffangen, und die Schicht mit den Innensegmenten, wo die erste Weiterleitung der neuronalen Signale erfolgt, war dagegen verdickt.

Die RPE-Schicht ist unter anderem für den Erhalt der Photorezeptoren zuständig. Stoff­wech­sel­schla­cken werden dort abgebaut und über die retinalen Blutgefäße entsorgt. Bei Funk­ti­ons­s­tö­run­gen können sich in dieser Schicht Ablagerungen bilden, die bei der Augen­un­ter­su­chung als Drusen sichtbar werden und ein frühes Kennzeichen der AMD sind. Die Verdickung der anderen Schichten lässt sich ebenfalls als Folge eines gestörten Stoffwechsels deuten. Die in der OCT sichtbaren Veränderungen der Netzhaut könnten deshalb einen Zusammenhang zwischen der vermehrten Schad­s­toff­be­las­tung und der AMD erklären, die Foster bei einer Befragung der Teilnehmer ermittelte.

Die Forscher konnten bei ihren Berechnungen eine Reihe anderer Begleitfaktoren wie Alter, Geschlecht, ethnische Herkunft, Man­gel­er­schei­nun­gen, Body-Mass-Index, Raucherstatus und Refrak­ti­ons­s­tö­run­gen berück­sich­ti­gen. Wie immer in epi­de­mi­o­lo­gi­schen Studien lässt sich nicht ausschließen, dass andere Ursachen übersehen wurden.

Tabakrauch als gesichterter Risikofaktor

Zu den Stärken der Studie gehört, dass die Luft­ver­schmut­zung mit den Veränderungen in der OCT assoziiert war. Da Tabakrauch bereits ein gesicherter Risikofaktor für eine AMD ist, erscheint ein Einfluss plausibel.

Sollten sich diese Befunde bestätigen, könnte dies laut den Untersuchern darauf hindeuten, dass die Luft­ver­schmut­zung der Umgebung ein nicht unbedeutender, vermeidbarer Risikofaktor für eine AMD ist.

Quelle: Redaktion PRO RETINA News

Datum: 
Mittwoch 03. Februar 2021, 14:02
Kategorien: 
Grund­lagen­forschung