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"AMD und Grauer Star - was muss ich beachten?" - 
Interview mit Augenarzt Dr. Jörg M. Koch

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Stellungnahme zur Lasertherapie von Drusen bei trockener AMD

Führende augenärztliche Fach­ge­sell­schaf­ten (Berufsverband der Augenärzte Deutschlands BVA, Deutsche Oph­thal­mo­lo­gi­sche Gesellschaft DOG und Retinologische Gesellschaft) betonen in ihrer neuen ergänzenden Stellungnahme, dass eine Laserbehandlung der trockenen altersbedingten Makula­degeneration (AMD) nicht außerhalb von Studien stattfinden sollte. Für die Lasertherapie der frühen alter­sabhängigen Makula­degeneration fehlt die wis­sen­schaft­li­che Basis. Trotzdem wird das Verfahren bereits eingesetzt und auch beworben.

CE-Zulassung ist kein Qua­li­täts­sie­gel

Medizingeräte brauchen für die Zulassung in Europa bisher nur eine CE-Zertifizierung, warnte Professor Dr. med. Robert P. Finger von der Uni­ver­si­täts­au­gen­kli­nik Bonn. Folglich sind Nanolaser (oder Mikropuls- bzw. Subthreshold-Laser), die über ultrakurze Energieimpulse die Netzhaut theoretisch zur Bildung neuer Zellen anregen sollen, als Geräte zur Verwendung am Patienten zugelassen. Phase-III-Studien zur Lasertherapie gibt es bislang aber noch nicht.

LEAD-Studie (Laser Intervention in Early Age Related Macular Degeneration Study)

Die jüngste Studie (LEAD), eine multizentrische, randomisierte, mit einer Schein­be­hand­lung verglichene Inter­ven­ti­ons­s­tu­die wurde im September 2018 veröffentlicht. Auf den ersten Blick ließ sich innerhalb von drei Jahren kein Unterschied zu einer Schein­be­hand­lung belegen. Betrachtete man die Pathologien genauer, konnte zwar für einige Stu­dien­teil­neh­mer das Fortschreiten der Krankheit verlangsamt werden. Dies gelang allerdings nur, wenn sich die Ablagerungen unter dem retinalen Pigmentepithel befanden. Bei Patienten, bei denen die Drüsen oberhalb des Epithels lokalisiert waren, beschleunigte das Lasern sogar die Progression der AMD, berichtete Professor Finger auf der Pressekonferenz anläßlich der Auge­n­ärzt­li­chen Akademie Deutschland AAD 2019

Zahlreiche Fälle von Netz­haut­blu­tun­gen

Auch das Design der LEAD-Studie lasse zu wünschen übrig, so der Ophthalmologe. Viele Parameter seien ohne Vorabtests festgelegt worden. Besorg­nis­er­re­gend waren außerdem die zahlreichen Fälle von Netz­haut­blu­tun­gen. Doch es ist bisher unklar, ob der kurze Puls des Nano­se­kun­den­la­sers zu einem erhöhten Blutungsrisiko führt. Deshalb raten die Fach­ge­sell­schaf­ten davon ab, bei AMD im Bereich der Makula mit einem Nano­se­kun­den­la­ser Pulse zu setzen. Alles in allem müsse man sicherstellen, dass dem Patienten mit der Behandlung nicht sogar geschadet werden kann, schloss Professor Finger.

Fazit

Um die mittel- und langfristige Wirksamkeit des Nano­se­kun­den­la­sers zu beurteilen, sind weitere, größere, kontrollierte klinische Studien notwendig. Die bisher vorliegenden Ergebnisse reichen nicht aus, um die Wirksamkeit dieses Verfahrens und möglicherweise negative Wirkungen bei der AMD beurteilen zu können. Alle Arten von Laser­be­hand­lun­gen der Netzhaut bei trockener AMD sollten deshalb nicht außerhalb von klinischen Studien durchgeführt werden.

Quelle: Redaktion PRO RETINA News, Karin Langhammer

Datum: 
Dienstag 07. Mai 2019, 09:05
Kategorien: 
Grund­lagen­forschung