Was wünschen sich blinde und sehbehinderte Berufstätige?

Berlin, 11. Oktober 2018. Menschen mit Seheinschränkung stoßen im Arbeitsleben auf eine Vielzahl von Problemen. Das zeigen die Antworten auf eine Umfrage unter blinden und sehbehinderten Menschen, die anlässlich des Internationalen Tages des weißen Stockes von der Initiative „Woche des Sehens“ durchgeführt wurde.

„Schön wäre, wenn man einfach wie jeder andere seine Arbeit tun könnte“, bringt es einer der Befragten auf den Punkt. Hauptproblem sind Mängel in der Barrierefreiheit. Die Präsentation, bei der es von Bildern, Grafiken und Organigrammen nur so wimmelt, und der dazu passende Referent der gedankenlos auf Tortendiagramme zeigt und alles nur mit „hier, hier und hier“ begleitet, ist ein Beispiel. Die schlecht beleuchtete Speisekarte in der Kantine, der Kaffeeautomat mit Touchscreen oder die schwer erkennbare Glastür, an der man sich eine blutige Nase holt, sind weitere. Die Liste ist endlos und voller unnötiger Barrieren, die teilweise mit sehr wenig Aufwand beseitigt werden könnten.

Aber auch die Barrieren in den Köpfen machen den Betroffenen zu schaffen: „Ich möchte nicht immer abwarten müssen, bis man entschieden hat, ob ich etwas bewältigen kann oder nicht.“ Blinde und sehbehinderte Arbeitnehmer werden häufig als ein Problem gesehen, das es zu lösen gilt; es mangelt an Vertrauen in ihr Können und ihre Fähigkeiten. In vielen Zuschriften wünschen blinde und sehbehinderte Arbeitnehmer sich Offenheit gegenüber Kollegen mit einer Einschränkung wie auch mehr Respekt und Anerkennung.

Ein Gutteil der Probleme, die wirklich gelöst werden müssen, ist amtsgemacht – und unnötig. Wer blind oder sehbehindert ist, hat Anspruch auf eine Ausstattung des Arbeitsplatzes mit entsprechenden Hilfsmitteln und eine Arbeitsassistenz – aber der Weg dahin ist lang und der bürokratische Aufwand immens. In aller Regel sitzt man am ersten Arbeitstag und auch die ersten Wochen und Monate ohne diese Unterstützung da. Zuständigkeiten sind nicht geregelt, Anträge drehen unnötige Schleifen und unbedingt Notwendiges wird willkürlich abgelehnt, so dass zeitraubende Widerspruchsverfahren nötig sind. Und all das während der Probezeit, in der man sich ja eigentlich besonders intensiv mit seinem neuen Job beschäftigen möchte.

Bitte mehr Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, bitte mehr Verständnis und Verantwortungsbewusstsein bei den Vorgesetzten, bitte bessere Rahmenbedingungen … Die Liste ließe sich beliebig lang fortsetzen. Die zehn am häufigsten genannten Wünsche blinder und sehbehinderter Berufstätiger finden Sie unter www.woche-des-sehens.de/berufsleben.

15. Oktober: Internationaler Tag des weißen Stockes

Im Jahr 1964 wurde vom US-Kongress eine Resolution in Kraft gesetzt, die den 15. Oktober zum White Cane Safety Day (übersetzt ungefähr: „Verkehrssicherheitstag des weißen Stockes“) erklärte. Mit seiner umgehenden Proklamation unterstützte der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Lyndon B. Johnson, das Streben blinder Menschen nach mehr Selbstständigkeit.

Der Tag des weißen Stockes entwickelte sich schnell zum weltweiten Aktionstag der blinden Menschen. Seit dem Jahr 2002 ist der 15. Oktober in Deutschland zugleich der Abschlusstag der Woche des Sehens.

Nach deutschem Recht ist ein Mensch blind, wenn er auf dem besser sehenden Auge selbst mit Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr als 2 Prozent von dem sieht, was ein Mensch mit normaler Sehkraft erkennt. Wenn man weniger als 5 Prozent sieht, gilt man als hochgradig sehbehindert. Auch viele hochgradig sehbehinderte Menschen sind auf den weißen Stock angewiesen. Mehr Informationen unter www.weisser-stock.de

Quelle: Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V.

Datum: 
Donnerstag 11. Oktober 2018, 16:10
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veröffentlicht am Donnerstag, 11.10.2018 von Gabi Reißberg