Für Sie selektiert: Einige Fachbeiträge aus dem DOG-Programm 2019

Wir haben für Sie hier einige Vortrags- Poster und Abstractinhalte rund um das Thema „AMD-Therapie“ zusammengefasst:

Christoph Ehlken, Kiel referierte über Gründe für die Unterbrechung der IVOM-Therapie. In einer Untersuchung, in der 466 nAMD Patienten eingeschlossen waren, wurde Therapieergebnisse unter Real-Life Bedingungen bewertet. Bei dieser Gruppe wurden über 12 Monate bei 32% der Patienten Nicht-Adhärenz beobachtet, die zu 80% patientenassoziiert/patientenbedingt war. Hohes Alter und ein schlechter Baseline-Visus („poor VA at baseline“) konnten hier als Zusammenhang identifiziert werden. (Ehlken et al. Clin Ophthalmology 2018:12 13-20)

Volkmann et al. aus Hannover präsentierten Real World -Zweijahresdaten zur IVOM-Therapie bei AMD an 478 Augen. Hierbei seien 25% der Patienten im Rahmen der laufenden Behandlung nicht erneut zu einer geplanten Injektion erschienen. Bei 75% mit guter Adhärenz waren nach zwei Jahren bei adäquater Injektionsfrequenz und gutem Visusgewinn Ergebnisse mit denen aus großen Zulassungsstudien vergleichbar. Patienten, die von der Behandlung spürbar profitieren, schienen häufiger in der Behandlung zu bleiben, was sich in dem hohen Visusgewinn nach zwei Jahren ausdrückt. Aus Sicht der Arbeitsgruppe sollte im Rahmen der Behandlung verstärkt auf eine gute Patientenbindung geachtet werden.

In Bonn (Künzel S.H. et al.) wurden Determinanten der Lebensqualität bei GA infolge einer AMD untersucht. Neben der bestkorrigierten Sehschärte und der GA-Fläche sei auch die Sehschärfe bei niedriger Leuchtdichte, foveale Aussparung und Lesevisus wichtige Prädiktoren für die Lebensqualität. Dabei hätten die Parameter des besseren Auges einen markant größeren Einfluss als die des schlechteren Auges. Dies sei zu bedenken, da in Studien bisher das schlechtere Auge behandelt werde. In Mainz (Korb C.) wurden Autoantikörper in Serum von Patienten mit trockener und exsudativer AMD evaluiert, um mögliche potentielle Biomarker zu detektieren. Der Vergleich zeigte veränderte Immunreaktionen im Serum gegen bestimmte Antigene. Wenn eine Veränderung von Immunreaktivitätsmustern einer Konversion vorausgehe, könne dies möglicherweise für eine frühzeitige Intervention genutzt werden.

Frentzel D. et al. publizierten als Stellungnahme des Vision Academy Steering Committee definierte vier Grundprinzipien zur Optimierung der anti-VEGF Therapie bei Netzhauterkrankungen: 1.Maximierung und Erhaltung der Sehschärfe aller Patienten. 2. Entscheidung wann als Nächstes injiziert werden sollte und nicht, ob jetzt injiziert werden sollte. 3.Titrierung der Behandlungsintervalle unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des Patienten. 4.Injektion bei jeder Verlaufskontrolle. Schlussfolgerung: Durch die Implementierung eines proaktiven und personalisierten Therapieansatzes wie des treat-and-extend Schemas profitierten Patienten und behandelnde Ärzte gleichermaßen. Die Therapiebelastung könne gesenkt und klinische Ressourcen effizienter genutzt werden. Die Umsetzung der vier Grundprinzipien solle außerdem eine Verbesserung der Visusergebnisse und eine Risikoreduktion eines Visusverlustes für den einzelnen Patienten zum Ziel haben.

Einige Vortrags- Poster und Abstractinhalte thematisierten „Digitalisierung in der Augenheilkunde“:

Kern et al. (London/München) präsentierten erste Ergebnisse einer Cloud-basierten Überweisungsplattform mit 103 eingeschlossenen Patienten, die die Kommunikation zwischen Zuweisern und Augenklinik verbessern soll. Überweisungen von Hausärzten, Augenoptikern oder externen Notaufnahmen werden digital erfasst und inklusive Vorgeschichte und Bildgebung auf der Telemedizinplattform hochgeladen. Ein Facharzt selektiert die Patienten dann für eine Fallsprechstunde (regulär oder virtuell) und bestimmt die Dringlichkeit des Termins.

Untersuchungen von Marahrens L. et al. wiesen auf ein Digitalisierungspotenzial in der augenärztlichen interdisziplinären Kommunikation mit diabetologischen Schwerpunktpraxen hin im Hinblick auf eine bessere Patientenversorgung. Kromer et al. berichteten über den Ansatz der Optimierung des ambulanten Terminkalenders durch Vorhersage der Pünktlichkeit mittels Künstlicher Intelligenz. Bei Integration in ein Terminsystem könnten als ein Ergebnis reduzierte Personalüberstunden gesehen werden.

Das Augenzentrum am St. Franziskus-Hospital (Gutfleisch M. et al.) stellte den Ansatz einer Text-Mining basierten Patientenerhebung aus unstrukturierten elektronischen Patientendaten vor. Dies könne für interne Qualitätsanalysen und externe Projekte eingesetzt werden sowie als Grundlage dienen für weitere Entwicklungen zur Unterstützung individualisierter Therapieansätze.