Auto fahren

Die Frage, ob AMD-Patienten ein Auto fahren dürfen oder nicht, muss individuell entschieden werden. Dazu zunächst ein kurzer Überblick über die für AMD-Betroffene relevante Gesetzeslage zum Führerschein.

Inhalt

Der Führerschein und die Gesetzeslage für AMD-Patienten

Die Fahrerlaubnisverordnung (FeV) regelt die Zulassung zur Teilnahme am Straßenverkehr. Eine uneingeschränkte Zulassung ist mit dem Bestehen des Sehtestes verbunden. Besteht man den Sehtest nicht, wird ein augenärztliches Gutachten erforderlich, das nach verschiedenen Kriterien prüft, ob eine Teilnahme am Straßenverkehr als Autofahrer zulässig ist. Hier können Sie den Gesetzestext im Original einsehen.

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Was steht im Gesetz?

Menschen mit einer altersabhängigen Makuladegeneration sind in der Regel bereits im Besitz eines Führerscheins. Für sie gelten andere Regelungen als für Neubewerber. Hier bleibt die Verordnung unklar. Relevant sind in diesem Kontext § 46 der Fahrerlaubnisverordnung, der die Entziehung der Fahrerlaubnis regelt, sowie die Anlagen 4 und 6.

In § 46 heißt es:

„1. Erweist sich der Inhaber einer Fahrerlaubnis als ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen, hat ihm die Fahrerlaubnisbehörde die Fahrerlaubnis zu entziehen. Dies gilt insbesondere, wenn Erkrankungen oder Mängel nach den Anlagen 4, 5 oder 6 vorliegen […].“

In den Vorbemerkungen zur Anlage 4 wird deutlich, dass es Erkrankungen und Mängel gibt, welche die Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen beeinträchtigen oder ganz aufheben können. Dazu zählen nach Anlage 6 auch Augenerkrankungen. Im Einzelfall dient ein ärztliches Gutachten als Grundlage für die Beurteilung, ob eine Eignung oder nur eine bedingte Eignung vorliegt. In Anlage 4a ist geregelt, wie die Untersuchungen zur Erstellung des Gutachtens durchzuführen sind.

In Anlage 6 sind zudem die Anforderungen an das Sehvermögen festgelegt. Im Hinblick auf AMD-Patienten ist insbesondere Punkt 1.5 hervorzuheben. Hier heißt es: „Besteht eine fortschreitende Augenkrankheit, ist eine regelmäßige augenärztliche Untersuchung und Beratung erforderlich.“ Diese Untersuchung kann die Behörde nicht von sich aus einleiten, sie muss angeordnet werden oder es müssen schriftliche Eingaben Dritter vorliegen.

Zusammenfassen lässt sich also: Die Fahrerlaubnisbehörde kann einer Person den Führerschein entziehen, wenn Bedenken über deren Fahreignung bestehen. Die rechtliche Grundlage dafür wird in der Fahrerlaubnisverordnung gelegt.

Allerdings wird die Fahrerlaubnisbehörde nicht von sich aus tätig, sondern schaltet sich nur bei schriftlich eingereichten Tatsachenberichten ein. In der Regel muss es also zu einem Vorfall kommen, der die Fahreignung einer Person infrage stellt, bevor die Behörde aktiv wird. Darüber hinaus benötigt sie ein Überprüfungsgutachten vom Augenarzt. Je nach Schweregrad der Sehbeeinträchtigung gibt es dann unterschiedliche Konsequenzen.

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Das augenärztliche Gutachten

Ein augenärztliches Gutachten klärt individuell, ob die Voraussetzungen für die Fahreignung bestehen und mit welchen Auflagen sie verbunden sind. Dazu testet der Arzt eine ganze Reihe von Faktoren. Neben dem Visus und dem Gesichtsfeld sind das auch Farbensehen, Stereosehen, Augenbeweglichkeit, Dämmerungssehen und vieles mehr.

Ist die Fahrtüchtigkeit nicht mehr gegeben, muss der Augenarzt den Patienten darüber aufklären. Die Aufklärung muss individuell sein und dokumentiert werden.

Der Augenarzt hat ein Mitteilungsrecht an die Behörden, aber keine Mitteilungspflicht. Vor der Mitteilung an die Behörden muss der Patient aufgeklärt und informiert werden.

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Fazit: Dürfen AMD-Patienten Auto fahren?

In der Fahrerlaubnisverordnung steht nicht direkt, dass Menschen, die an der altersabhängigen Makuladegeneration leiden, nicht mehr ein Auto fahren dürfen. Allerdings sollten sie einen Augenarzt zu Rate ziehen, wenn ihre Sehfähigkeit nachlässt. Der Augenarzt kann dann beurteilen, ob die betroffene Person noch in der Lage ist, ein Fahrzeug zu führen oder nicht.

Sollte es zu einem Unfall kommen, ist der Augenarzt verpflichtet, auf die Anfrage der Behörden Auskunft über die Sehfähigkeit zu geben.

Es liegt also zu einem großen Teil in der Eigenverantwortung der Betroffenen, wann sie das Autofahren aufgeben sollten. Im Vordergrund der Entscheidung sollten immer die eigene Sicherheit und die der anderen Verkehrsteilnehmer stehen.

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Alternativen zum Autofahren

Mobilität ist auch ohne eigenes Fahrzeug möglich. Bevor man sich trotz Seheinschränkung noch selber hinter das Steuer setzt, können auch mögliche Alternativen in Betracht gezogen werden.

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Taxifahren

Per Taxi kommt man auf direktem Weg zum Ziel. Service-Taxen holen ihre Gäste an der Haustür ab und bringen sie bis zum Eingang des gewünschten Ziels. Viele Menschen schrecken wegen der vermeintlich höheren Kosten jedoch davor zurück, ein Taxi zu nutzen. Die Beantwortung folgender Fragen hilft vielleicht, sich doch für eine Taxifahrt zu entscheiden:

  • Wieviel Geld steht durch den Verkauf des Autos zur Verfügung?
  • Wie hoch ist die Ersparnis der anfallenden Kosten für den Unterhalt des Autos?
  • Wie viele Fahrten mit dem Taxi kann man sich für den Verkaufserlös und die eingesparten Unterhaltungskosten leisten?

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Öffentliche Verkehrsmittel

Kommt man nicht auch mit Bus und Bahn ans Ziel? Womöglich steht dem Betroffenen auch ein Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen G zu. Damit können Sie gegen eine geringe Gebühr eine halbjährliche Wertmarke beantragen, die Ihnen freie Fahrt im Nahverkehr erlaubt.

Ist das Merkzeichen H eingetragen, erhalten Sie auf Antrag eine Wertmarke, die für ein ganzes Jahr gültig ist. Hierbei entfällt sogar die Kostenbeteiligung. Das bedeutet, dass Sie ohne weitere Gebühr ein Jahr den öffentlichen Personennahverkehr nutzen können. Es kann zudem die anteilige Erstattung für Fahrtkosten zur ambulanten Behandlung bei der Krankenkasse beantragt werden.

Mehr Informationen zum Schwerbehindertenausweis finden Sie auf dieser Seite.

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Fahrrad fahren

Nach Auffassung des Bundesverkehrsministeriums sind die Regelungen in der Fahrerlaubnisverordnung auch für Fahrradfahrer verbindlich. Fällt das ärztliche Urteil entsprechend aus, sollte auf das Fahrradfahren verzichtet werden.

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Elektrorollstuhl

Damit seheingeschränkte Menschen einen Elektrorollstuhl fahren dürfen, muss eine Sehschärfe von mindestens 0,1 vorliegen. Das geht aus einer Stellungnahme der Verkehrskommission der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft hervor. Auch bei einem besseren Visus sollte die Fahrtüchtigkeit im Einzelfall durch ein augenärztliches Gutachten bewertet werden. Ein Gesichtsfeld von 30 Grad sollte vorhanden sein.

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