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Schu­lung in Le­bens­prak­ti­schen Fä­hig­kei­ten (LPF)

Erbsen auf halb sechs…

Für die meisten Menschen ist dies ein nichtssagender Filmtitel, aber sofort einleuchtend, wenn erklärt wird, was sich dahinter verbirgt.

Die Uhr lesen zu können, ist eine elementare Fähigkeit. Man kann die Uhrzeit auch als Beschreibung nutzen. Die Erbsen liegen auf sechs und die Kartoffeln auf elf Uhr: Sofort können sich seh­ein­ge­schränkte und blinde Menschen die Anordnung der Speisen auf einem Teller vorstellen.

Werden einfache Verrichtungen durch einen Sehverlust zum Problem oder ist es ärgerlich, dass bei verschiedenen Tätigkeiten Unterstützung benötigt wird, haben Lehrer für Leben­s­prak­ti­sche Fähigkeiten solche Tricks auf Lager. Sie vermitteln neue Hand­lungs­stra­te­gien, üben den Umgang mit Hilfsmitteln ein und schulen den Einsatz des verbliebenen Sehvermögens. Gute Beleuchtung und starke Kontraste sind hierbei unverzichtbar.

Ziel einer Schulung in LPF

Ziel dieser Schulung ist es immer, den Alltag trotz Seh­ein­schränk­ung selbstständig zu bewältigen. Die Palette der möglichen Themen ist groß. So kann

  • das Essen eines Stückchens Torte oder
  • das Bestreichen eines Butterbrotes geübt werden oder
  • der Umgang mit vergrößernden Sehhilfen.
  • Auch die Kennzeichnung von Klei­dungs­stü­cken, damit das Hemd zur Hose und die Bluse zum Pullover passt.
  • Markierung mit Tastpunkten an einer WaschmaschineEbenso kann das Einstellen des Herdes und der Waschmaschine oder
  • das Bedienen des Telefons Schulungsinhalt sein.

Jeder Betroffene entscheidet selbst, was er lernen möchte. Jede Schulung ist individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse, Fähigkeiten und Vorerfahrungen abgestimmt.

In den meisten Fällen finden die Schulungen am jeweiligen Wohnort statt, sie können aber auch in Reha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tun­gen für sehbehinderte und blinde Menschen durchgeführt werden.

Ob eine Schulung sinnvoll ist, lässt sich anhand der folgenden Fragen rasch beantworten.

Selbst­ein­schät­zung aufgrund der Sehfähigkeit:

  • Gieße ich beim Einschenken öfter etwas daneben? ja / nein
  • Kann ich Münzen und Geldscheine schlecht aus­ein­an­der­hal­ten? ja / nein
  • Gehe ich nicht mehr gern ins Lokal, weil ich nicht mehr gut mit Besteck essen kann? ja / nein
  • Kann ich Telefonnummern eingeben? ja / nein
  • Fällt es mir schwer zu erkennen, welche meiner Klei­dungs­stü­cke zueinander passen? ja / nein
  • Schaffe ich es, die Schalter an Waschmaschine, Mikrowelle, Trockner richtig einzustellen? ja / nein
  • Lasse ich mir das Fleisch klein schneiden? ja / nein
  • Kann ich erkennen, wieviel Wasser ich in die Kaffeemaschine füllen muss? ja / nein
  • Weiß ich, wieviel Butter auf dem Messer ist, wenn ich mein Brot bestreiche? ja / nein
  • Kann ich meine Fingernägel schneiden? ja / nein

Auswertung: Hinter jeder Frage verbirgt sich eine Technik oder eine Strategie, die Lösungen anbieten und ermöglichen, diese Tätigkeit selbstständig auszuführen. Rehalehrer können dabei helfen, sie sind die kompetenten Ansprechpartner!

Nähere Informationen zur Schulung in Lebens­praktischen Fähigkeiten erhalten Sie hier.

(Hinweis: Der Selbsttest ist zuerst erschienen im Servicebuch Auge und wurde erstellt von Wiebke Zapkau, Reha­bi­li­ta­ti­ons­leh­re­rin für Blinde und Sehbehinderte in Kassel.)

Kosten­über­nahme

Die Kosten­über­nahme muss im Einzelfall geklärt werden.

Die Kosten für die Schulung werden u. a. vom zuständigen Sozi­al­hil­fe­trä­ger im Rahmen der Ein­glie­de­rungs­hilfe für Behinderte übernommen (entsprechend dem Sozi­al­ge­setz­buch XII § 53 / 54n). Diese Kosten­über­nahme erfolgt üblicherweise einkommens- und vermögens­abhängig.

Erfolgt die Maßnahme im Rahmen einer medizinischen Rehabilitation, so ist der Leis­tungs­trä­ger in der Regel die gesetzliche Krankenkasse (gemäß Sozi­al­ge­setz­buch IX § 26, Absatz 3 bzw. § 5 und 6). Für die Beantragung der Kosten­über­nahme durch die Krankenkassen ist eine ärztliche Verordnung notwendig. Je nach Zuständigkeit können auch die gesetzliche Unfall­ver­si­che­rung, die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung oder die Kriegs­op­fer­ver­sor­gung Leis­tungs­trä­ger sein.

Für eine Schulung in Lebens­praktischen Fähigkeiten infolge eines Arbeitsunfalls ist die Berufs­ge­nos­sen­schaft zuständig.

Hier finden Sie die Hörversion eines Artikels des AMD-Netz aus dem Magazin Augenlicht Ausgabe 1/2016 zum Thema LPF: Schulungen in "Lebens­praktischen Fähigkeiten"

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