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"AMD und Grauer Star - was muss ich beachten?" - 
Interview mit Augenarzt Dr. Jörg M. Koch

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Aus­weis für schwer­be­hin­der­te Men­schen

Der Schwer­behinderten­ausweis dient als Nachweis der Behinderung. Er wird von der zuständigen Behörde nach bun­des­ein­heit­li­chen Gesetzen ausgestellt. Mit diesem Ausweis erhalten Betroffene das Anrecht auf den Ausgleich finanzieller Nachteile, die durch die Behinderung entstehen. Dazu können mit dem Ausweis bestimmte Leistungen und Ver­güns­ti­gun­gen wahrgenommen werden. Diese sind abhängig vom Grad der Behinderung und den im Ausweis eingetragenen Merkzeichen.

Der Grad der Behinderung (GdB)

Zunächst wird der Grad der Behinderung (abgekürzt GdB) festgelegt. Er wird über die Sehschärfe und/oder die Einschränkung des Gesichtsfeldes ermittelt. Jeder Antragsteller erhält einen Fest­stellungs­bescheid, in dem die Behinderung und die Merkzeichen beschrieben sind. Ein Ausweis wird erst ab einem Grad der Behinderung von 50 ausgestellt.

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Bestimmung des GdB über die Sehschärfe

Anhand der Tabelle kann man den Grad der Behinderung aufgrund der Sehschärfe ablesen. Hier finden Sie die Tabelle für Word und Excel.

Anhand der Tabelle kann man den Grad der Behinderung aufgrund der Sehschärf ablesen

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Beispiele für die Bestimmung des GdB über die Sehschärfe

  • Beträgt die Sehschärfe auf dem linken Auge 0,2 und auf dem rechten Auge 0,05 ergibt sich ein Grad der Behinderung von 60, Merkzeichen RF.
  • Beträgt die Sehschärfe auf dem linken Auge 0,1 und auf dem rechten Auge 0,08 ergibt sich ein GdB von 70, Merkzeichen RF, G und B.
  • Beträgt die Sehschärfe auf dem besseren Auge (mit Brille oder Kontaktlinsen) nicht mehr als 0,05 ergibt sich ein GdB von 100, Betroffene gelten als hochgradig sehbehindert und erhalten zusätzlich das Merkzeichen H.
  • Beträgt die Sehschärfe auf dem besseren Auge (mit Brille oder Kontaktlinsen) 0,02 oder weniger, gelten Betroffene vor dem Gesetz als blind und erhalten das Merkzeichen Bl.

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Bestimmung des GdB durch das Gesichtsfeld und die Sehschärfe

Bei der Ermittlng des GdB wird die Einschränkung des Gesichtsfeldes zusätzlich berücksichtigt. Der Grad der Behinderung kann steigen, wenn eine gewisse Einschränkung des Gesichtsfeldes vorliegt. Damit können Merkzeichen auch bei einem Visus zuerkannt werden, der normalerweise keine Merkzeichen bedingen würde.

Die Zuordnung von Visus und Gesichtsfeld im Hinblick auf den GdB ist in vielen Varianten geregelt. In Einzelfällen kann der Lan­des­blin­de­n­a­rzt entscheiden. Das Gesichtsfeld muss deutlich eingeschränkt sein, wenn es bei der Einschätzung des GdB berücksichtigt werden soll.

Hier finden Sie eine Tabelle zum Verhältnis Visus und Gesichtsfeld.

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Beispiele für die Bestimmung des GdB über Gesichtsfeld und Sehschärfe

Die Sehschärfe beträgt 0,5 auf dem besseren Auge und das Gesichtsfeld beträgt nicht mehr als 10°. Daraus ergibt sich ein GdB von 100, die Anerkennung hochgradige Sehbehinderung, Merkzeichen RF, G, B, H.

Die Sehschärfe beträgt 1,0 auf dem besseren Auge und das Gesichtsfeld beträgt nicht mehr als 5°. Daraus ergibt sich ein GdB von 100, die Anerkennung der Blindheit, Merkzeichen RF, G, B, Bl.

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Merkzeichen

Merkzeichen dienen dem Nach­teils­aus­gleich und bringen bestimmte Ver­güns­ti­gun­gen mit sich. Aufgrund einer Seh­ein­schränk­ung werden zu bestimmten GdB folgende Merkzeichen zuerkannt.

GdB 60:
Merkzeichen: RF
Ermäßigung der Rund­funk­ge­büh­ren auf ein Drittel; Ermäßigung von Tele­fon­ein­hei­ten bei der Telekom; Steu­er­frei­be­trag

GdB 70:
Merkzeichen: G
Erhebliche Beein­träch­ti­gung der Bewe­gungs­fä­hig­keit im Straßenverkehr; Freifahrt im öffentlichen Per­so­nen­nah­ver­kehr mit Kos­ten­be­tei­li­gung oder Kfz-Steuerbefreiung um 50%; Steu­er­frei­be­trag

GdB 70:
Merkzeichen: B
Berechtigung zur Mitnahme einer Begleitperson ist nachgewiesen; die Begleitperson fährt kostenlos, solange sie den behinderten Menschen begleitet, gilt auch im Fernverkehr; Gebührenfreie Platz­re­ser­vie­rung für zwei Personen bei der Deutsche Bahn AG; Steu­er­frei­be­trag

GdB 100:
Merkzeichen H:
Hilflosigkeit; Freifahrt im öffentlichen Per­so­nen­nah­ver­kehr ohne Kos­ten­be­tei­li­gung und Kfz-Steuerbefreiung; Steu­er­frei­be­trag; Anspruch auf Hilfe für hochgradig Sehbehinderte; anteilige Erstattung von Taxifahrten zur ambulanten Behandlung

GdB 100:
Merkzeichen: Bl
Blindheit; Freifahrt im öffentlichen Per­so­nen­nah­ver­kehr; Kfz-Steuerbefreiung; Steu­er­frei­be­trag; Parkausweis zum Parken auf gekenn­zeich­ne­ten Parkplätzen und zu Par­ker­leich­te­run­gen im ein­ge­schränk­ten Halteverbot und in Anwoh­ner­park­zo­nen; anteilige Erstattung von Taxifahrten zur ambulanten Behandlung; Anspruch auf Blindengeld

Hier finden Sie die Hörversionen der Artikel des AMD-Netz aus dem Magazin Augenlicht der Ausgaben 3 und 4 des Jahres 2017 zu den Themen Rund­funk­ge­büh­ren Rundfunkbeitrag und Taxifahrten Fahrt­kos­ten­er­stat­tung bei Arztbesuchen

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Erläuterung zur Freifahrt im öffentlichen Nahverkehr

Ist das Merkzeichen G im Ausweis eingetragen, kann der Begünstigte den öffentlichen Per­so­nen­nah­ver­kehr nutzen, wenn er eine kostenpflichten Wertmarke beantragt. Sie kostet 36 € pro Halbjahr bzw. 72 € für ein ganzes Jahr. Ist zusätzlich das Merkzeichen H eingetragen, wird die Wertmarke kostenfrei zur Verfügung gestellt.

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Erläuterung zum Merkzeichen H: Fahrt zur ambulanten Behandlung

Fahrten zur ambulanten Behandlung können teilweise von den Krankenkassen übernommen werden. Voraussetzung ist die Eintragung des Merkzeichens H im Schwer­behinderten­ausweis und ein formloser Antrag bei der Krankenkasse, für einen bestimmten Zeitraum die Taxifahrten zur ambulanten Behandlung zu übernehmen. In der Regel muss ein Eigenanteil zu jeder Fahrt gezahlt werden. Einige Kassen arbeiten nur mit bestimmten Taxiunternehmen zusammen, das Unternehmen kann in diesem Fall nicht frei gewählt werden.

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Erläuterung zum Parkausweis

Voraussetzung für die Bewilligung eines Parkausweises ist das Merkzeichen Bl oder aG (außer­ge­wöhn­lich gehbehindert). Der Parkausweis wird bei der Kommunal­ver­waltung beantragt. Dazu werden neben dem Schwer­behinderten­ausweis der Personalausweis und ein Passbild benötigt.

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Beantragung des Schwer­behinderten­ausweises

Antrags­formulare erhält man bei der Kommunal­ver­waltung. Dort bekommt man auch Unterstützung beim Ausfüllen des Formulars.

In einigen Bundesländern ist es möglich, den Antrag online zu stellen.

Dem Antrag müssen keine ärztlichen Gutachten beigefügt werden. Sind aktuelle Gutachten vorhanden, können diese mit eingereicht werden.

Für alle Anträge gilt: Sind die vorgegebenen Grenzen der Sehfähigkeit bzw. des Gesichtsfeldes für die Anerkennung gewünschter Merkzeichen nicht eingehalten, lohnt es sich nicht, einen Antrag zu stellen. Die begutachtenden Stellen haben keine Ermes­sens­spiel­räume. Diese Anträge werden abgelehnt, es lohnt auch keine Klage.

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Schwer­be­hin­derte Menschen im Berufsleben

Berufstätige Menschen mit einer Seh­ein­schränk­ung sollten einen Schwer­behinderten­ausweis beantragen, auch wenn der GdB unter 50 liegt und damit kein Ausweis ausgestellt wird. Mit dem Fest­stellungs­bescheid kann die Beein­träch­ti­gung nachgewiesen werden.

Schwer­be­hin­derte Menschen im Berufsleben haben:

  • einen speziellen Kündigungs­schutz,
  • erhalten zusätzliche Urlaubstage,
  • können früher in Altersrente gehen,
  • haben Anspruch auf eine seh­be­hin­der­ten­ge­rechte Arbeits­platzausstat­tung und
  • haben unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf eine Arbeits­platz­as­sis­tenz.

Mehr Infomationen zur Beruft­stä­tig­keit mit einer Sehbehinderung erhalten Sie hier.

Hier finden Sie die Hörversion eines Artikels des AMD-Netz aus dem Magazin Augenlicht Ausgabe 2/2016 zum Thema Schwer­behinderten­ausweis: Seh­ein­schränk­ungen und Schwer­behinderten­ausweis

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