Unter­suchungen beim Augenarzt

Um eine Makuladegeneration oder das Fortschreiten der Erkrankung feststellen zu können, führt der Augenarzt eine Reihe von Untersuchungen durch.

Inhalt

Sehschärfemessung (Visusbestimmung)

SehtafelZuständig für das scharfe Sehen kleiner Details ist die Netzhautmitte mit dem Punkt des schärfsten Sehens (Fovea centralis). Hier finden sich die sogenannten „Zapfen“, also die Netzhautzellen, durch die wir scharf sehen und Farben unterscheiden können. Die volle Sehschärfe ist bei einem Visus von 1,0 oder 100 Prozent erreicht. Die volle Sehschärfe entwickelt sich in der Kindheit und kann mit zunehmendem Alter abnehmen.

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Augenspiegelung (Ophthalmoskopie / Funduskopie)

Die wichtigste Methode zur Untersuchung der Netzhautstruktur ist die Untersuchung des Augenhintergrundes (Netzhautuntersuchung, Ophthalmoskopie). Der Augenhintergrund wird auch als Fundus bezeichnet und statt Ophthalmoskopie der Begriff Funduskopie verwendet. Die Beobachtung vorhandener oder fehlender Veränderungen des Augenhintergrundes in Zusammenhang mit der Sehschärfe ist Grundlage für die Auswahl weiterer notwendiger Untersuchungsverfahren.

Grundsätzlich gibt es zwei Verfahren der Ophthalmoskopie: die indirekte und die direkte Ophthalmoskopie.

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Die indirekte Ophthalmoskopie

indirekte OphthalmoskopieBei der indirekten Ophthalmoskopie hat der Augenarzt eine Lichtquelle in der Hand oder auf dem Kopf, um durch eine mit halb ausgestrecktem Arm vor das Auge gehaltenen Lupe die Netzhaut zu beleuchten und zu beobachten. Indem er den Patienten bittet, in verschiedene Richtungen zu schauen, kann er die gesamte Netzhaut beobachten.

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Die direkte Ophthalmoskopie

direkte OphthalmoskopieBei der direkten Ophthalmoskopie kann der Augenarzt einen Augenspiegel sehr nahe vor das Auge halten, um vor allem die Netzhautmitte (Makula) zu untersuchen oder er untersucht mit Lupen und Spaltlampe (Lichtquelle mit scharf begrenztem spaltförmigem Lichtstrahl, der in seiner Breite veränderbar ist). Dabei hat der Patient das Kinn auf einer Kinnstütze aufgesetzt und mit einem Lichtspalt wird durch eine kleine Lupe die Netzhaut beleuchtet und beobachtet. In den meisten Fällen wird die Lupe nur vor das Auge gehalten. Bestimmte Lupen müssen auf die mit Tropfen betäubte Hornhaut aufgesetzt werden. Die Ophthalmoskopie ist wesentlicher Bestandteil der Diagnosestellung und der kontrollierten Behandlung von Netzhautveränderungen. Die Ophthalmoskopie wird oft als unangenehm empfunden, weil sie den Patienten blendet und diese Blendung nach der Untersuchung noch einige Minuten anhält. Zusätzlich ist oft eine Erweiterung der Pupille mit Tropfen nötig, um insbesondere die äußeren Bereiche der Netzhaut zu untersuchen. Durch die Verwendung moderner Lupen und die geeignete Kombination der verschiedenen Ophthalmoskopieverfahren lässt sich die Untersuchungsdauer reduzieren. Im Rahmen der Ophthalmoskopie festgestellte Veränderungen des Augenhintergrundes lassen sich zwar beschreiben, zur Verlaufskontrolle sind allerdings Methoden von Vorteil, die den aktuellen Befund dokumentieren.

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OCT (Optische Kohärenztomografie)

Bei der hochauflösenden Optischen Kohärenztomografie (OCT) wird im Rahmen einer berührungsfreien Untersuchung die Netzhaut mit Laserstrahlen abgetastet. Die reflektierten Laserstrahlen ergeben ein Schnittbild der Netzhautstruktur. Moderne Geräte führen mehr als 50.000 Messungen pro Sekunde durch und ermöglichen damit eine sehr detaillierte Untersuchung der Makula.

Die OCT erlaubt es frühzeitig auch Strukturveränderungen zu erkennen, die bei einer Augenspiegelung noch nicht zu sehen sind. Bei der feuchten Makuladegeneration lassen sich Flüssigkeitsansammlungen in und unter der Netzhaut darstellen. Bei der trockenen Makuladegeneration zeigen sich Ablagerungen unter der Netzhaut sowie eine Verdünnung der Netzhautstruktur. Die klinische Bedeutung der OCTs liegt vor allem in der Verlaufskontrolle bei der Behandlung der feuchten Makuladegeneration und in der Abgrenzung von anderen Makula-Erkrankungen, die ähnliche Symptome wie eine altersabhängige Makuladegeneration haben können.

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Hier sehen Sie Aufnahmen (rechts: OCT)

normale Form

OCT eines gesunden Auges

trockene Form

OCT eines Auges mit trockener AMD

feuchte Form

OCT-Bild eines Auges mit feuchter Makuladegeneration

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Fundusauto­fluoreszenz (FAF)

Eine Frau hat ihr Gesicht in eine Halterung gelegt und schaut in ein großes weißes Gerät.Das retinale Pigmentepithel (RPE) ist wichtig sowohl für die Versorgung der lichtempfindlichen Zellen (Photorezeptoren) der Netzhaut als auch für die Entsorgung von Stoffwechselprodukten. Diese werden zum größten Teil in den Zellen des RPE in kleinste Bestandteile zerlegt und aufgearbeitet oder über die Aderhaut entsorgt.

Lipofuszin

In den Zellen des RPE sammeln sich im Laufe des Lebens Stoffwechselendprodukte der täglichen Verarbeitung der Photorezeptoraußensegmente als Ablagerungen (Lipofuszin) an. Lipofuszin zeigt das Phänomen der Fluoreszenz, d. h. Licht einer bestimmten Wellenlänge wird anders als das Licht einer anderen Wellenlänge von diesem Stoff abgestrahlt. Damit am Augenhintergrund (Fundus) das abgestrahlte Licht ungestört erkannt werden kann, wird mit einer speziellen Filtertechnik die Wellenlänge des eingestrahlten Lichts (488 nm) auf den Bereich begrenzt, der dem Lipofuszin entspricht und über einen zweiten Filter nur der Wellenlängenbereich des abgestrahlten Lichts (540 nm) mit Hilfe einer Kamera aufgezeichnet.

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Lipofuszinmengen im RPE

Die Fundusautofluoreszenz erlaubt eine Darstellung der Verteilung von Lipofuszin im RPE. Andere Substanzen als Lipofuszin können ebenfalls Autofluoreszenz zeigen, jedoch wird durch die Wahl der Aufnahmefilter im Wesentlichen die Fundusautofluoreszenz durch Lipofuszin dokumentiert. Eine gleichmäßige Verteilung geringer Lipofuszinmengen am Fundus - als Hintergrundleuchten bei der FAF-Untersuchung - ist ein normales Zeichen für gesunde und aktive RPE-Zellen. Weit fortgeschrittene degenerative Prozesse führen zu einem Untergang des RPE. Sie stellen sich bei der Fundusautofluoreszenz aufgrund des Fehlens von Lipofuszin dunkel dar. Aktive degenerative Prozesse sind an einer verstärkten Fundusautofluoreszenz aufgrund der verstärkten Lipofuszinansammlung erkennbar.

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Vorteile der Fundusautofluoreszenz

Die Fundusautofluoreszenz erlaubt eine einfache Dokumentation der Struktur des retinalen Pigmentepithels ohne Anwendung von Farbstoff (im Gegensatz zur Fluorescein-Angiografie). Dadurch ist sie leicht und risikolos wiederholbar und auch bei Kindern gut einsetzbar. In bestimmten Fällen zeigen sich in der Fundusautofluoreszenz bereits Veränderungen, während die Ophthalmoskopie noch unauffällig ist, so dass die Fundusautofluoreszenz zur Früherkennung krankhafter Veränderungen geeignet ist.

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Gefäßdarstellung (Fluoreszenz­angiografie, FA)

Eine Frau hat ihren Gesicht auf der linken Bildseite in eine Halterung gelegt. Auf der rechten Seite befindet sich ein Mann mit weißem Kittel. Er führt mittig das Gerät zur Fluoreszenz-Angiografie Richtung Auge der Frau. Auf dem Bildschirm im Hintergrund ist die Aufnahme der Gefäße in schwarz-weiß zu sehen.Am Augenhintergrund gibt es zwei Blutgefäßsysteme zur Versorgung der Netzhaut: Eines direkt in der Netzhaut (Netzhautgefäße) und ein zweites unter dem RPE in der Aderhaut (Aderhautgefäße). Diese Blutgefäße sind bei verschiedenen Erkrankungen verändert, daher ist es wichtig, sie untersuchen zu können. Diese Darstellung der Gefäße nennt man Angiografie.

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Untersuchungsablauf der Fluoreszenzangiografie

Um die Gefäße besser sichtbar zu machen, wird ein Farbstoff in eine Armvene gespritzt. Über den Blutkreislauf gelangt der Farbstoff in die Blutgefäße der Augen und verteilt sich dort. Sobald der Farbstoff im Auge ankommt, wird eine Serie von Fotos über einen Zeitraum von ca. 10 Minuten gemacht, um dessen Verteilung darzustellen. Die verwendeten Farbstoffe haben die Eigenschaft der Fluoreszenz: Wenn man sie mit Licht einer bestimmten Wellenlänge (488 nm) anleuchtet, strahlen sie Licht einer anderen Wellenlänge (540 nm) ab. Durch Verwendung spezieller Filter wird nur dieses abgestrahlte Licht aufgefangen. Damit erscheinen Stellen ohne Farbstoff in der Angiografie dunkel und die Orte mit Farbstoffanreicherung abhängig von der Menge an Farbstoff unterschiedlich hell. Am hellsten sind daher bei gesunden Augen die Blutgefäße der Netzhaut.

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Fluorescein

Der am häufigsten verwendete Farbstoff ist Fluorescein. Fluorescein ist ein Farbstoff, der gesunde Gefäße nicht verlassen kann. Bei verschiedenen Erkrankungen lassen sich besondere Veränderungen in der Fluoreszenz-Angiografie erkennen. Bei entzündlichen Netzhauterkrankungen (Uveitis) und bei Netzhautdegenerationen werden die Netzhautgefäße für Fluorescein durchlässig, dadurch verbreitet es sich in das umliegende Gewebe und erscheint als fluoreszierende Fläche. Neugebildete Blutgefäße auf der Netzhaut bei diabetischer Netzhauterkrankung färben sich an und sind besser zu erkennen. Die Gefäße der Aderhaut hingegen werden mit dem Farbstoff Indocyanin-Grün dargestellt. Das Verfahren ist identisch, allerdings lässt sich, im Gegensatz zum Indocyanin-Grün, die Fluoreszenz des Fluoresceins in der Aderhaut nicht darstellen, da RPE und Netzhaut die Erregungswellenlänge für Fluorescein blockieren.

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Weitwinkeldarstellung der Netzhaut

Mit einer Weitwinkelkamera ist es möglich, die Makula darzustellen, den aktuellen Befund zu dokumentieren und so eine Verlaufskontrolle zu ermöglichen. Eine Pupillenerweiterung ist für diese Untersuchung nicht nötig, allerdings kann im Vergleich zur Netzhautuntersuchung mit Pupillenerweiterung die Netzhautperipherie weniger gut dargestellt werden.

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veröffentlicht am Donnerstag, 15.02.2018 von Andrea Wauligmann

Themen

Arzt-Patienten-Gespräch

Therapie

Für die feuchte Form der Makuladegeneration steht vor allem die intravitreale Medikamenteneingabe als Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung.

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Gitterlinien mit Punkt in der Mitte

Früherkennung und Amslergitter

Um eine feuchte Makuladegeneration frühzeitig zu erkennen, empfiehlt es sich, wöchentlich den Sehtest mit dem Amslergitter zu machen. Sie können dies auf unserer Seite tun oder sich hier die Druckvorlage mit Anleitung herunterladen und auf DinA4 ausdrucken.

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Schematische Darstellung des Auges

Die Erkrankung AMD

Auf dieser Seite haben wir für Sie alle relevanten medizinischen Informationen zur Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) zusammengetragen: Wodurch entsteht eine Makuladegeneration? Welche Therapien gibt es? Woran erkenne ich die Erkrankung? Wie kann ich vorbeugen?

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