Alters­blind­heit: Mediterrane Kost verlangsamt Netz­haut­erkrankungen

Lebens­stil­ent­schei­dun­gen haben einen erheblichen Einfluss auf die Augen­ge­sund­heit und damit auch auf das Risiko, im Alter zu erblinden. Neben körperlicher Aktivität spielt vor allem die Ernährung eine Schlüs­sel­rolle – eine mediterrane Kost kann das Fortschreiten häufiger alter­sas­so­zi­ier­ter Augen­erkrankungen wie der alter­sabhängigen Makula­degeneration (AMD), des Grünen Stars und der diabetischen Retinopathie nachweislich verlangsamen. Zusammen sind von diesen Erkrankungen in Deutschland mehr als 15 Millionen Menschen betroffen. Worauf es beim Speiseplan ankommt, erläuterte ein Experte der Deutschen Ophthal­molo­gischen Gesellschaft (DOG) im Rahmen der Pres­se­kon­fe­renz zur DOG 2025.

„Wir wissen heute, dass die richtige Ernäh­rungs­weise nicht nur das Herz-Kreislauf-System, sondern auch die Netzhaut schützen kann“, betont Professor Dr. Dr. med. Robert Patrick Finger, Direktor der Augenklinik am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Mannheim. Während sich die Forschung bisher häufig auf einzelne Lebensmittel oder Nährstoffe konzentrierte, lässt das Gesamtbild aller Studien inzwischen eine klare Aussage zu: Vor allem eine ausgewogene, mediterrane Ernäh­rungs­form entfaltet eine positive Wirkung. Dazu gehören unter anderem reichlich grünes Blattgemüse, Obst, Fisch, Olivenöl und Nüsse – in Kombination mit einer insgesamt kalo­ri­en­be­wuss­ten Lebensweise.

Mediterrane Kost bremst AMD

Die AMD ist eine der häufigsten Ursachen für Erblindung im Alter. Hier konnte wis­sen­schaft­lich belegt werden, dass Ernährung ein beein­fluss­ba­rer Risikofaktor ist. „Patientinnen und Patienten, die sich mediterran ernähren, haben ein geringeres Risiko, an AMD zu erkranken oder von einer frühen Form in ein Spätstadium überzugehen“, berichtet Finger. Zusätzlich belegt die große Age-Related Eye Disease Study AREDS, dass einzelne Nährstoffe wie Lutein, Zeaxanthin, Zink und Omega-3-Fettsäuren das Fortschreiten der AMD in bestimmten Fällen bremsen können. „Solche Präparate sind aber kein Ersatz für eine gesunde Ernährung, sondern allenfalls eine sinnvolle Ergänzung für Patientinnen und Patienten im mittleren Stadium der Erkrankung“, so Finger.

Grüner Star: Verzicht auf Alkohol und Fer­tig­pro­dukte

Das Glaukom ist die zweithäu­figste Erblind­ungs­ursache in Deutschland. Die Senkung des Augen­i­n­nen­drucks ist der erste the­ra­peu­ti­sche Ansatz. Doch auch hier scheint Ernährung eine unter­stüt­zende Rolle zu spielen. „Besonders grün­blätt­ri­ges Gemüse, Omega-3-Fettsäuren, generell eine mediterrane Ernäh­rungs­weise sowie der Verzicht auf Alkohol und hoch­ver­a­r­bei­tete Lebensmittel scheinen das Erkran­kungs­ri­siko zu verringern und das Vor­an­schrei­ten zu verzögern“, berichtet der DOG-Experte. Interessant sei zudem, dass bestimmte Vitamine und Spu­ren­ele­mente – etwa Vitamin A oder Vitamin B3 – vorbeugend wirken könnten. „Hierzu laufen derzeit klinische Studien“, erklärt Finger.

Frühe Ernäh­rungs­um­stel­lung schützt die Netzhaut

Bei der diabetischen Retinopathie, einer häufigen Folge der Stoff­wech­se­l­er­kran­kung Diabetes mellitus, gehört die Ernährung schon lange zum festen Bestandteil der Dia­be­tes­the­ra­pie. „Neuere Studien zeigen, dass eine mediterrane Kost mit viel Obst, Gemüse und Fisch sowie eine reduzierte Kalo­rien­auf­nahme tatsächlich das Entstehen und Fortschreiten der Netz­haut­erkrankung verlangsamen kann“, sagt der Augenarzt. Besonders entscheidend sei dabei eine frühzeitige Ernäh­rungs­um­stel­lung. „Wer von Anfang an konsequent auf eine gesunde Ernährung achtet, tut seiner Netzhaut den größten Gefallen“, so Finger.

Über Lebensstil stärker aufklären

Ob AMD, Glaukom oder diabetische Retinopathie: Gesunde Ernährung hat – ebenso wie regelmäßige Bewegung – in allen Fällen einen positiven Einfluss auf die Augen­ge­sund­heit. „Wir Ärztinnen und Ärzte sollten Lebens­stil­hin­weise künftig stärker in unsere Beratung einbinden“, rät Finger. Eine mediterrane Kost könne dabei nicht nur die Augen schützen, sondern insgesamt zur Vorbeugung alter­sas­so­zi­ier­ter Erkrankungen beitragen.

Quelle: Deutsche Oph­thal­mo­lo­gi­sche Gesellschaft

Datum