AMD-Forschung: Digitaler Zwilling von Augenzellen entwickelt

Forschende des National Eye Institute (NEI) in Bethesda, USA, haben eine digitale Nachbildung zentraler Augenzellen entwickelt. Dies ermöglicht neue Einblicke in deren Selbst­or­ga­ni­sa­tion sowohl im gesunden als auch im erkrankten Zustand.

Diese Plattform könnte neue Mög­lich­kei­ten für die Erforschung von Therapien für Erblin­dungs­krank­hei­ten wie die alters­be­dingte Makula­degeneration (AMD) eröffnen. „Diese Arbeit stellt den ersten digitalen Zwilling einer dif­fe­ren­zier­ten menschlichen Primärzelle mit sub­zel­lu­lä­rer Auflösung dar und zeigt, dass das Auge ein idealer Testbereich für die Entwicklung von Methoden ist, die allgemeiner in der bio­me­di­zi­ni­schen Forschung eingesetzt werden könnten“, so Dr. Kapil Bharti, wis­sen­schaft­li­cher Direktor am NEI, das Teil der National Institutes of Health ist.

Von induzierten pluripotenten Stammzellen zum RPE-3D-Digi­ta­l­zwil­ling

Die Forscher entwickelten einen hoch­de­tail­lier­ten, daten­ge­stütz­ten 3D-Digi­ta­l­zwil­ling einer retinalen Pig­men­te­pi­thel­zelle (RPE). Grundlage waren am NEI aus induzierten pluripotenten Stammzellen gewonnene RPE-Zellen. Diese wurden vom Allen Institute for Cell Science in Seattle, USA, bereit­ge­stellt. Die Wis­sen­schaft­ler erfassten die 3D-Bilddaten von 1,3 Millionen RPE-Zellen aus nahezu 4000 Teilbereichen der Retina mithilfe eines auto­ma­ti­sier­ten Kon­fo­kal­mi­kro­skops.

Auf Basis der Bilddaten trainierte das Team einen KI-Algorithmus, der Zellkern, weitere Zell­struk­tu­ren sowie Form und Volumen der Zellen zuverlässig identifiziert. Das System mit dem Namen „Polarity Organization with Learning-Based Analysis for RPE Image Segmentation“ (POLARIS) erzeugte dabei 3D-Seg­men­tie­rungs­da­ten – also Bildvoxeln zugewiesene Strukturen – über verschiedene Ent­wick­lungs­sta­dien der Zellen hinweg.

Ein besonderes Augenmerk legten die Wis­sen­schaft­ler auf die Polarität des digitalen Zwillings. Sie quan­ti­fi­zier­ten zudem die Größe und Form der Zelle, ihrer Organellen und Zytoske­lett­struk­tu­ren, ein­schließ­lich der 3D-Raum­lo­ka­li­sie­rung in verschiedenen Ent­wick­lungs­sta­dien. Dabei fanden die Forscher heraus, dass gesunde, sich entwickelnde RPE-Zellen einem vor­her­seh­ba­ren Weg zu einem polarisierten Zustand folgen. Die Forschenden haben ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Portfolio Journal of Artificial Intelligence“ ver­öf­fent­licht.

Verstehen, wie Krankheiten RPE-Zellen verändern

Der daraus resultierende KI-basierte Atlas zeigt polarisierte und nicht polarisierte RPE-Zellen. Er dient Forschenden als Referenz, um zu verstehen, wie Krankheiten das RPE auf zellulärer und sub­zel­lu­lä­rer Ebene verändern. So könnte er die Entwicklung neuer Therapien entscheidend voranbringen.

„Der digitale Zwilling-Ansatz stellt ein leis­tungs­star­kes neues Werkzeug für die Entwicklung von AMD-Therapien dar und könnte für die Untersuchung weiterer Augen- und anderer Erkrankungen bezie­hungs­weise Zustände, die die Zell­po­la­ri­tät beeinflussen, angepasst werden“, betonte Bharti.

„Durch die Kombination von KI mit mathe­ma­ti­scher Modellierung haben wir einen Einblick in zelluläre Prozesse geschaffen, die zuvor verborgen waren“, erklärte der Erstautor und leitende Autor der Studie, Davide Ortolan, Ph.D., NEI-For­schungs­sti­pen­diat. „Diese Technologie hilft uns nicht nur zu verstehen, was bei AMD geschieht, sondern bietet uns auch eine Plattform, um her­aus­zu­fin­den, wie man es beheben kann.“

Diese Forschung wurde vom NIH/NEI Intramural Research Program finanziert.

Quelle: biermann-medizin.de

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