Kar­dio­vas­ku­lä­rer Risikowert könnte Früh­er­ken­nung verbessern

Eine neue US-amerikanische Studie zeigt, dass ein Routine-Screening-Tool für die Her­z­ge­sund­heit Personen mit erhöhtem Risiko für schwere Augen­erkrankungen iden­ti­fi­zie­ren kann.

Forscher der University of California Los Angeles (UCLA) Health, USA, fanden heraus, dass Menschen mit höheren kar­dio­vas­ku­lä­ren Risikowerten ein deutlich höheres Risiko haben, Erkrankungen wie alters­be­dingte Makula­degeneration (AMD), diabetische Retinopathie (DR), Glaukom, Netz­haut­ve­nen­ver­schluss und hypertensive Retinopathie zu entwickeln. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fach­zeit­schrift „Ophthalmology“ ver­öf­fent­licht.

Rou­ti­ne­un­ter­su­chun­gen könnten Prävention für Augen­erkrankungen verbessern  

Augen­erkrankungen werden häufig erst dia­gnos­ti­ziert, wenn bereits gravierende Beein­träch­ti­gun­gen vorliegen. Eine frühzeitige Erkennung gefährdeter Personen könnte hingegen den rechtzeitigen Einsatz von Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen und vorbeugenden Maßnahmen ermöglichen. Die Studie verdeutlicht, dass Daten aus ärztlichen Rou­ti­ne­un­ter­su­chun­gen genutzt werden könnten, um Risi­ko­pa­ti­en­ten zu iden­ti­fi­zie­ren. Auf diese Weise ließe sich potenziell das Risiko einer Erblindung bei besonders gefährdeten Personen reduzieren. Die Ergebnisse würden somit einen praxisnahen Ansatz zur Verbesserung der Prävention von Augen­erkrankungen eröffnen.

Was wurde in der Studie untersucht?

Die Forscher analysierten elektronische Gesund­heits­ak­ten von 35.909 Erwachsenen im Alter von 40 bis 79 Jahren. Diese Personen hatten zwischen den Jahren 2009 und 2015 am All of Us Research Program teilgenommen. Sie berechneten den kar­dio­vas­ku­lä­ren Risikowert jeder Person anhand der Pooled Cohort Equations (PCE) unter Verwendung von Standard-Gesund­heits­in­for­ma­ti­o­nen wie Cho­les­te­rin­spie­gel, Blutdruck, Raucherstatus und Diabetes. Die Teilnehmer wurden in vier Risikogruppen eingeteilt: niedrig (weniger als 5 %), grenzwertig (5–7,4 %), mittel (7,5–19,9 %) und hoch (20 % oder mehr). Das For­schungs­team verfolgte anschließend, wer in den folgenden Jahren Augen­erkrankungen entwickelte. Die Wis­sen­schaft­ler berück­sich­tig­ten dabei auch Faktoren, die nicht im kar­dio­vas­ku­lä­ren Score enthalten waren. Dazu gehörten zum Beispiel ethnische Zuge­hö­rig­keit, Body-Mass-Index, Nie­re­n­er­kran­kun­gen und Bil­dungs­ni­veau.

Hohes kar­dio­vas­ku­lä­res Risiko ist mit erhöhter Wahr­schein­lich­keit für Augen­erkrankungen verbunden

Die Auswertungen der Forscher zeigten, dass ein erhöhtes kar­dio­vas­ku­lä­res Gefähr­dungs­po­ten­zial eng mit einer gesteigerten Wahr­schein­lich­keit für das Auftreten von Augen­erkrankungen zusammenhing. Erwachsene mit hohem Risiko wiesen gegenüber der Nied­ri­gri­si­ko­gruppe ein 6,2-fach erhöhtes Erkran­kungs­ri­siko für AMD, ein 5,9-fach erhöhtes für DR sowie ein 4,5-fach erhöhtes für hypertensive Retinopathie auf. Zudem war in der Hoch­ri­si­ko­gruppe die Wahr­schein­lich­keit für eine Netz­haut­ve­nen­ver­schluss­erkrankung um das 3,4-Fache und für ein Glaukom um das 2,3-Fache erhöht. Dabei war der kar­dio­vas­ku­läre Score bei der Vorhersage von DR, hypertensiver Retinopathie und AMD den Forscher zufolge besonders aus­sa­ge­kräf­tig. Diese Zusam­men­hänge blieben über verschiedene Nach­be­ob­ach­tungs­zeit­räume von fünf bis sieben Jahren hinweg konsistent.

Risi­ko­stra­ti­fi­zie­rung sinnvoll in Pri­mä­r­ver­sor­gung imple­men­tie­ren

Die Ergebnisse legen nahe, dass Hausärzte kar­dio­vas­ku­läre Risikoscores verwenden könnten, um Patienten zu iden­ti­fi­zie­ren, die von einer Überweisung an Augenärzte profitieren würden. Den Autoren der Studie zufolge sind jedoch wei­ter­füh­rende Unter­su­chun­gen notwendig, um den optimalen Zeitpunkt sowie die angemessene Frequenz augen­ärztlicher Unter­su­chun­gen für unter­schied­liche Risikogruppen festzulegen. Darüber hinaus bedarf es einer genaueren Prüfung, ob eine auf dem kar­dio­vas­ku­lä­ren Risiko basierende Früh­er­ken­nung und gezielte Inter­ven­ti­o­nen tatsächlich dazu beitragen können, einen Sehverlust zu verhindern.

Nach Ansicht der Forscher könnten Imple­men­tie­rungs­stu­dien zudem klären, wie sich dieser Ansatz der Risi­ko­stra­ti­fi­zie­rung sinnvoll in die rou­ti­ne­mä­ßi­gen Abläufe der Pri­mä­r­ver­sor­gung sowie in elektronische Gesund­heits­ak­ten integrieren lässt. „Wir haben festgestellt, dass ein einfacher Score, der bereits bei Millionen von Arztbesuchen pro Jahr berechnet wird, aus­sa­ge­kräf­tig vorhersagen kann, wer ernsthafte Augen­erkrankungen entwickeln wird“, betonte Dr. Anne L. Coleman, leitende Autorin der Studie und Vorsitzende der Abteilung für Augen­heil­kunde bei UCLA Health. „Dies gibt uns die Möglichkeit, Hoch­ri­si­ko­pa­ti­en­ten frühzeitig zu iden­ti­fi­zie­ren, wenn vorbeugende Maßnahmen noch ihr Sehvermögen schützen können. Das Schöne an diesem Ansatz ist, dass keine zusätzlichen Tests erforderlich sind; die Informationen sind bereits in der Krankenakte vorhanden.“

Quelle: biermann-medizin.de

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