Online-Sehtests können Sehprobleme früh sichtbar machen

Digitale Gesund­heits­an­ge­bote wie etwa Online-Sehtests gewinnen auch in der Augen­heil­kunde zunehmend an Bedeutung. Die Stiftung Auge erklärt, warum sie dennoch den Auge­n­a­rzt­be­such nicht ersetzen.

Immer mehr Menschen nutzen Online-Sehtests, um selbst das eigene Sehvermögen schnell und unkompliziert zu überprüfen. Sie können helfen, Ver­än­de­run­gen der Sehschärfe frühzeitig zu erkennen. Ihre Ergebnisse führen jedoch auch leicht zu falscher Sicherheit oder unnötiger Ver­un­si­che­rung – denn weder ein gutes noch ein auffälliges Ergebnis erlaubt verlässliche Rück­sch­lüsse auf die Gesundheit der Augen. Die Stiftung Auge klärt auf, welche Chancen aber auch Grenzen digitale Sehtests haben und wann eine auge­n­ärzt­li­che Abklärung besonders wichtig ist.

Online-Sehtests werden heute von verschiedenen Anbietern als Smartphone-App oder Browser-Anwendung bereit­ge­stellt. Nutzerinnen und Nutzer prüfen dabei ihre Sehschärfe, indem sie Zahlen, Buchstaben oder Symbole auf dem Bildschirm erkennen müssen. Teilweise werden die Ergebnisse automatisch ausgewertet oder mit früheren Messungen verglichen.

„Derartige Angebote können Menschen eine erste Orientierung geben und sie für Ver­än­de­run­gen ihres Sehens sen­si­bi­li­sie­ren“, erklärt PD Dr. Jan Terheyden, Augenarzt an der Universitäts-Augenklinik Bonn. Allerdings seien die Ergebnisse stark von Faktoren wie der Bild­schirm­hel­lig­keit, Raum­be­leuch­tung oder dem richtigen Abstand zum Gerät abhängig, betont der Experte. Hier gibt es klare Vorgaben, die seitens der Anbieter kommuniziert und von den Nutzenden eingehalten werden müssen.

Gute Sehschärfe bedeutet nicht automatisch gesunde Augen

Wer zuhause einen Sehtest machen möchte, sollte sich auch über die richtige Einordnung der Tes­t­er­geb­nisse informieren: „Ein gutes Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass die Augen gänzlich gesund sind“, erklärt Terheyden. Viele Augen­erkrankungen können über lange Zeit bestehen, obwohl die Sehschärfe noch normal erscheint.

Auch Prof. Frank G. Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn und Vorsitzender der Stiftung Auge, warnt vor falscher Sicherheit: „Online-Sehtests ersetzen keine auge­n­ärzt­li­che Untersuchung. Erkrankungen wie die alters­abhängige Makula­degeneration, diabetische Netz­haut­schäden oder ein Glaukom lassen sich dadurch nicht zuverlässig ausschließen.“

Online-Sehtests können die Früh­er­ken­nung unterstützen

Gleichzeitig sehen die Experten in digitalen Angeboten Potenzial: „Gut entwickelte und wis­sen­schaft­lich geprüfte Tests können Menschen dafür sen­si­bi­li­sie­ren, Seh­ver­schlech­te­run­gen ernst zu nehmen und ärztlich abklären zu lassen“, so Terheyden. Voraussetzung sei jedoch, dass die Anwendungen verständlich aufgebaut seien und Nutzerinnen und Nutzer die Ergebnisse richtig einordnen könnten. Hier brauche es künftig mehr wis­sen­schaft­liche Unter­su­chun­gen und einheitliche Qua­li­täts­s­tan­dards. Wer unsicher ist, welcher Test ver­trau­ens­wür­dig oder im individuellen Fall sinnvoll ist, sollte sich von einer Augenärztin oder einem Augenarzt beraten lassen.

Plötzliche Seh­ver­schlech­te­run­gen immer ernst nehmen

Besonders wichtig ist es, akute Ver­än­de­run­gen des Sehens ernst zu nehmen. „Wenn sich das Sehvermögen plötzlich oder stark ver­schlech­tert, sollte immer ärztliche Hilfe gesucht werden“, rät Terheyden. In seltenen Fällen könnten solche Beschwerden auch auf ernsthafte Erkrankungen hinweisen. Die Stiftung Auge empfiehlt daher, digitale Sehtests allenfalls als ergänzende Orientierung zu nutzen – nicht jedoch als Ersatz für regelmäßige auge­n­ärzt­li­che Kontrollen.

Quelle: biermann-medizin.de

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