Feuchte AMD: Schlechte Ergebnisse für intra­ope­ra­tive Radiatio

Studien mit negativen Resultaten werden nicht so häufig publiziert wie solche, die positive Ergebnisse haben („publication bias“). Umso mehr Auf­merk­sam­keit dürfte die mit Spannung erwartete Studie zu einer – zunächst von großen Hoffnungen begleiteten – Therapie der neo­vas­ku­lä­ren alter­sabhängigen Makula­degeneration (AMD) erregen. Diese häufigste Ursache von Erblindungen in den Indus­trie­na­ti­o­nen wird seit einigen Jahren mit Injektionen von VEGF-Inhibitoren in den Glaskörper des Auges behandelt.

Die Frequenz dieser Injektionen zu senken, hatten zahlreiche Oph­thal­mo­lo­gen sich von der epimakulären Bra­chy­the­ra­pie erhofft. Bei dieser wird während eines glas­kör­per­chir­ur­gi­schen Eingriffs, einer Vitrektomie, ein Betastrahlen emittierender, mit Strontium 90 beschichteter Träger vom Chirurgen für 3 bis 4 Minuten dicht über die Läsion in der Makula gehalten. Die Ratio: Die lokale Strah­le­n­ap­pli­ka­tion sollte die pathologische Gefä­ß­neu­bil­dung verhindern und dank ihrer geringen Ausdehnung die Schädigung von Nach­bar­ge­we­ben, vor allem der strah­len­sen­si­blen Linse und des Sehnerven, verhindern.

In einer inter­na­ti­o­na­len Mul­ti­cen­ter­stu­die erhielten 302 Augen die epimakuläre Bra­chy­the­ra­pie (EMBT) nach zwei im Monatsabstand gegebenen intra­vi­tre­a­len Injektionen des VEGF-Inhibitors Ranibizumab; in der aus 155 Augen bestehenden Kon­troll­gruppe wurde die normale Anti-VEGF-Therapie durchgeführt (3 Injektionen im Ein-monatsabstand, danach vier­tel­jähr­li­che Injektionen). Das primäre Ziel des Visuserhalts – in der Behandlung der AMD definiert als der Verlust von nicht mehr als 15 Zeichen auf den ETDRS-Sehtafeln – war nach 24 Monaten bei 77 % der mit EMBT behandelten Patienten gegenüber 90 % in der Kon­troll­gruppe erreicht; das auf eine Differenz von nicht mehr als 10 % prä­de­ter­mi­nierte Nicht­un­ter­le­gen­heits­kri­te­rium wurde damit nicht erfüllt.

Noch aus­sa­ge­kräf­ti­ger erscheint dieses Ergebnis: Nach der epimakulären Bra­chy­the­ra­pie ging der Visus der Patienten während der Nach­be­ob­ach­tungs­zeit im Schnitt um 2,5 Zeichen zurück, während er unter den regel­mä­ßi­gen Ranibizumab-Injektionen um durch­schnitt­lich 4,4 Zeichen stieg. Mindestens eine schwere Komplikation erlebten 54 % der EMBT-Patienten (meist eine Katarakt als Folge der Vitrektomie) und 18 % der Patienten in der Kon­troll­gruppe.

Fazit: Die epimakuläre Bra­chy­the­ra­pie dürfte nur für einzelne Subgruppen wie Patienten mit kleinen, sogenannten klassischen (Gefäß-) Läsionen eine Behand­lungs­op­tion sein. Insgesamt sind die funktionellen Ergebnisse nach intra­vi­tre­a­ler phar­ma­ko­lo­gi­scher VEGF-Hemmung besser. Mit Spannung erwartet man jetzt die Ergebnisse zu einer anderen Strah­le­n­ap­pli­ka­tion, der ste­reo­tak­ti­schen Radiatio, bei der drei von extern zugeleitete Strah­len­bün­del auf der Makula konvergieren. 

Quelle: Deutsches Ärzteblatt

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