Schutzeffekt für die Netzhaut?

Dass Metformin Menschen mit Typ-2-Diabetes vor alters­be­ding­ter Makula­degeneration schützen könnte, ist seit Längerem bekannt. Erstmals stützt nun eine Studie mit Primärdaten den Zusammenhang mit stärkerer Evidenz.

Der Einsatz von Metformin könnte bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes das Risiko für eine alters­be­dingte Makula­degeneration (AMD) um rund ein Drittel senken. Die Erkenntnis, dass sich das Anti­di­a­be­ti­kum günstig auf die Netz­haut­erkrankung auswirken könnte, ist nicht neu. Bisher stützten sich die Hinweise jedoch vor allem auf epi­de­mi­o­lo­gi­sche Studien mit Sekun­där­da­ten, etwa Diagnose-Codes aus Krankenakten. Solche Daten erfassen meist nicht den Schweregrad der AMD.

Forschende der Universität Liverpool in England haben nun eine Fall-Kontroll-Studie ver­öf­fent­licht, die den Zusammenhang anhand von Primärdaten untersucht – konkret anhand von Fotografien des Augen­hinter­grunds. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal »BMJ Open Ophthalmology«.

Das Team um Dewi Fathin Romdhoniyyah analysierte Augen­hin­ter­grund­auf­nah­men von 2089 Dia­be­te­s­pa­ti­en­ten ab 55 Jahre, die über fünf Jahre an einem Screening auf diabetische Retinopathie teilgenommen hatten. Die Forschenden prüften, ob und wie stark bei den Teilnehmenden eine AMD vorlag und ob sie Metformin einnahmen. In die Auswertung flossen auch mögliche Störfaktoren ein, darunter Alter, Geschlecht und die Dauer des Diabetes. Mithilfe einer logistischen Regression untersuchten sie die Assoziation zwischen einer Metformin-Einnahme und der Inzidenz bezie­hungs­weise dem Fortschreiten früher, mittlerer und später AMD-Stadien.

Metformin war signifikant mit einer um 37 Prozent niedrigeren Inzidenz des mittleren AMD-Stadiums assoziiert (Odds Ratio: 0,63). In univariaten Analysen zeigte sich außerdem eine geringere Inzidenz einer späten AMD (Odds Ratio: 0,43). Nach Anpassung an Alter und Geschlecht war dieser Zusammenhang jedoch nicht mehr signifikant.

"Die meisten Menschen, die an AMD leiden, können nicht behandelt werden. Daher ist dies ein großer Durchbruch in unserer Suche nach neuen Behand­lungs­methoden. Metformin hat das Potenzial, vielen Menschen das Augenlicht zu retten", kommentierte Seniorautor Dr. Nicholas Beare in einer Pres­se­mit­tei­lung der Universität. Er wies gleichzeitig darauf hin, dass der protektive Effekt des Anti­di­a­be­ti­kums in klinischen Studien weiter untersucht werden muss.

Quelle: Phar­ma­zeu­ti­sche Zeitung

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